Spricht man mit Studierenden an deutschen Universitäten, fällt früher oder später in der Regel das Wort Kommilitone. Die meisten Menschen wissen, dass mit einem Kommilitonen der Studienkollege bezeichnet wird. Aber woher das im Deutschen durchaus fremd klingende Wort eigentlich ursprünglich kommt, wissen die meisten Menschen so ganz genau nicht.

Ist es so ein Begriff, der von Beginn an in einem universitären Kontext verwendet wurde? Oder gibt es möglicherweise eine wesentlich weitere Reise, die das Wort zurücklegen musste, um zum heutigen Kommilitonen zu werden?

Und was sind Kommilitonen eigentlich wirklich? Sind es schlichterhand Menschen, mit denen man gemeinsam für eine gewisse Zeit des Lebens in einem vorberuflichen Kontext Zeit verbringt? Mit denen man sich in dieser Zeit fachlich austauschen kann? Menschen, mit denen man eventuell auch gemeinsam lernt? Wie wichtig sind Kommilitonen für das Gelingen eines Studiums? Achtet man in diesem Kontext fürsorglich aufeinander und fühlt sich als zusammengehörige Gruppe oder sind Kommilitonen mittlerweile doch eher frühe Konkurrenten um den späteren Arbeitsplatz?

Die etymologische Herkunft des Wortes Kommilitonen

Das Wort Kommilitonen klingt im deutschen Sprachraum erst einmal fremd sowie auch seine Schreibweise für die deutsche Sprache eher unüblich ist. Wohl auch aus dem Grund finden sich viele durchaus kreative Schreibweisen des Substantivs wie beispielsweise mit nur einem m oder zwei l. Wie sehr viele Fachworte im deutschen Sprachraum entstammt das Wort Kommilitone wohl ursprünglich aus dem Lateinischen. Es ist demnach eine Ableitung des mittellateinischen Begriffes commilito, welches so viel bedeutet hat wie:

  • Kamerad
  • Mitstreiter
  • oder eben im eindeutigen Kontext des bewaffneten Kampfes schließlich Kriegsgefährte
  • oder auch Waffenbruder.

In der Antike wurde commilito häufig für die Ansprache von römischen Legionären verwendet. Eine etymologische Ähnlichkeit findet sich ebenfalls zu der gängigen Bezeichnung für Waffenbrüder im Lateinischen: commiles. Seinerseits hat der Begriff der Waffenbrüder wiederrum eine Verbindung zum griechischen Sprachraum und dem dortigen Begriff für un- oder aber auch schlechtorganisierte paramilitärische Einheiten: Haufe oder auch Heerhaufe.

Erst seit dem 16. Jahrhundert wurde der Begriff von den Burschenschaften in den Kontext der Universitäten eingeführt. Kommilitone ist seitdem die geläufige Bezeichnung, die Studenten ihren Mitstudierenden geben. Der Plural des männlichen Substantivs lautet hierbei Kommilitonen und als die weibliche Form hat sich seit dem 20. Jahrhundert Kommilitonin eingebürgert.

Zu einem früheren Zeitpunkt war die Kommilitonin als femininer Einzelbegriff nicht notwendig – gab es doch im universitären Kontext schlichtweg kaum Frauen und damit auch keinen Bedarf für einen solchen Sammelbegriff.

  • Als treffendstes Synonym des Begriffes gilt die Bezeichnung Studienkollege.

Der Begriff Kommilitonen im Wandel der Zeit

War der Begriff des commilito demnach ursprünglich auf den militärischen Bereich beschränkt, fand hier nach und nach eine sogenannte Begriffserweiterung statt. Bereits vor Christus ist beispielsweise bei Ovid die Verwendung des Begriffes commilitium für eine „Gemeinschaft der Studien“ belegt. Eine Verwendung, welche die Bedeutung des ursprünglich deutlich enger verstandenen Begriffes commilito aus dem militärischen Zusammenhang in einen weiteren Bedeutungskontext überführt.

Diesen Vorgang kann man auch bei anderen ursprünglich militärischen Begriffen beobachten. Schaut man sich so den deutschen Begriff des Mit-Streiters an, kann man in dieser Komposition auch noch eine gewisse Nähe zu einem kämpferischen, sprich militärischen Konflikt erkennen. Über diesen Konflikt finden die beiden Menschen als gemeinsam für eine Sache Streitende zueinander und werden auf diese Weise zu miteinander verbundenen Mit-Streitern.

War dieser gemeinsame Streit voreinst oftmals gegen jemanden gerichtet, beispielsweise gegen einen anderen Herrschenden, einen Besetzer oder generell gegen den Herrschenden, hat sich die Streitkultur in den letzten Jahrtausenden entscheidend gewandelt.

Man streitet nicht mehr ausschließlich gegen jemanden, sondern tritt auch gemeinsam mit Argumenten für den eigenen Glauben, Ideologien oder Lebensumstände ein. Dies sind Konflikte, die an sich durchaus friedlich gestaltet werden können – umso mehr, wenn sie sich ausschließlich in einem theoretischen Konfliktrahmen befinden und so nicht mehr Besitzverhältnisse oder territoriale Ansprüche hierbei verhandelt werden.

Der ehemalige Mit-Streiter an den Waffen wird auf diese Weise zu einem Mit-Streiter, der die gemeinsame Sache mit Argumenten untermauert und einen und die eigene Position auf diese Weise unterstützt. Mit der Veränderung des Streits hin von lediglich kriegerischen Begegnungen hin zu durchaus auch waffenlosen Auseinandersetzungen konnte also auch ein Begriff wie der des Mit-Streiters sowie der des Kommilitonen aus dem ausschließlich militärischen Bedeutungsbereich hin zu anderen Gemeinschaft stiftenden Situationen hin geöffnet werden.

  • Seit dem 16. Jahrhundert: Der Begriff Kommilitonen als Betitelung des Studienkollegens bezieht sich hier nur auf den Kontext der Bruderschaften.  Als Kommilitone wurden ausschließlich Studenten aus ein und derselben Bruderschaft bezeichnet. Die studierenden Mit-Streiter konnten aus allen Fachbereichen der ansässigen Universität kommen, entscheidend war die gemeinsame Mitgliedschaft in einer identischen Burschenschaft.
  • Im 19. und 20. Jahrhundert: Jetzt wurde der Begriff Kommilitone erweitert und als Sammelbegriff für andere Studierende im Allgemeinen eingeführt.

Die Rollen/Aufgaben des Kommilitonen

Aufgage eines Kommilitonen

Die Hauptaufgabe eines Kommilitonen sollte die Hilfe der anderen Kommilitonen sein.
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Die wichtige Rolle des Kommilitonen beim Wohlfühlen an der Uni.

In den Medien wird viel berichtet von der aktuellen Studiensituation und den Schwierigkeiten, welche die Umstellung des Studiensystems für die Studierenden aller Fachgebiete mit sich bringen. Oftmals wird die Umstellung als Verschulung der Universität bezeichnet und der wachsende Druck für die Studierenden beklagt. Es ginge auch bei der universitären Bildung in unseren Zeiten primär um die Wirtschaftlichkeit – Studierende spürten zunehmend den wirtschaftlichen Druck und die Erwartungshaltung nach Effizienz bei ihren Studienleistungen sowohl bezüglich der Dauer ihres Studiums als auch bezogen auf ihre Studienleistungen.

Zudem wird von Kritikern der Bildungsreform bemängelt, dass es an der Universität nicht mehr darum ginge, wissenschaftliche Neugier zu entfachen und interessanten Fragen nachzugehen, sondern dass die Universität vielmehr von der Wirtschaft beeinflusst werde und deren Fragen beantworte.

Die meisten der erbrachten Leistungen tauchen am Ende im relevanten Notenspiegel auf und werden in die Abschlussnote eingerechnet. Konnte man sich früher so durchaus einmal erlauben, ein Semester dem Liebeskummer oder auch der Kneipenlandschaft zu frönen, ist dies für Bachelor- und Master-Studierende nicht mehr ohne Konsequenzen für den Abschluss möglich. Viele Studierende beklagen den hohen Leistungsdruck. Wie sieht es in solch einer Studienlandschaft noch mit kameradschaftlichen Gefühlen unter den Studierenden aus?

Ist der Kommilitone tatsächlich noch der Mit-Streiter oder wird er oftmals schon als ein Widersacher empfunden, der einem die eigenen Leistungen mit besseren Leistungen verschlechtert? Natürlich gab und wird es wohl immer die Konkurrenz an Universitäten geben. Sowie es zu jeder Zeit und in jedem Kontext Menschen gibt, mit denen man gut zurechtkommt – sei dies fachlich oder menschlich oder auch beides zugleich – und Menschen, die man lieber meidet.

Aber jeder Mensch weiß auch, wie wichtig das soziale Umfeld ist, um sich wirklich wohl zu fühlen. Dies gilt genau wie für Arbeitskollegen auch für die Kommilitonen. Es geht eben noch immer nicht nur um Wissensvermittlung an der Universität, sondern auch um das Erlernen von wichtigen menschlichen und sozialen Faktoren. Dies findet zumeist außerhalb der Veranstaltungen in den:

  • Lerngruppen
  • Referatsgruppen
  • oder auch einfach in der Mensagruppe statt.

Hier sind die Kommilitonen ganz entscheidend. Dies untermauern auch aktuelle soziologische Studien über Gründe für Studienabbrüche. So geben viele Studienabbrecher an, dass sie sich nicht zugehörig zu ihren direkten Kommilitonen gefühlt hätten. Natürlich gibt es auch Menschen, die wirklich sehr unabhängig von ihrem sozialen Umfeld sind und die es nicht stört, wenn sie kaum jemanden an ihrer Universität kennen und sie sich auf diese Weise ohne Ablenkung auf ihr wissenschaftliches Thema oder ihre Karriereplanung konzentrieren können.

Die meisten Menschen funktionieren aber besser als ein Teil in einem intakten sozialen Umfeld. In einem universitären Kontext machen hier die Kommilitonen einen entscheidenden Teil dieses sozialen Umfeldes aus.

Stimmt die Chemie zwischen den jeweiligen Studierenden einer Fachrichtung, hat man auf diese Weise auch Mit-Streiter, wenn man sich einmal ungerecht behandelt fühlt. Auch wenn möglicherweise die einzige Handlung der Mit-Streiter die ist, dass sie einem zuhören und zustimmen, fühlt man sich somit bereits weniger alleine. Und dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit lässt einen auch den Druck besser aushalten.

Man kann sich gegenseitig in vielfältiger Form unterstützen, vielleicht auch eine positive, sportliche Form der Konkurrenz pflegen, die jeden der Kommilitonen dazu anspornt, seine beste Leistung zu zeigen. Gerade wenn so von außen der Druck wächst, wird die peergroup der Kommilitonen wichtiger, um sich hier gemeinsam eine gewisse Gelassenheit anzutrainieren und sich von überhöhten Erwartungshaltungen abzuschirmen. Unter Kommilitonen kann

  • ein Austausch über Wünsche und Ziele
  • Perspektiven auf das Studium
  • seinen Sinn und Zweck stattfinden
  • und damit Reflektionen bei jedem einzelnen angeregt werden.

Dies stellt einen hohen Gewinn für jeden Studierenden dar, kann er auf diese Weise doch sehr viel mehr lernen als das von den Lehrenden vermittelte Fachwissen. Gerade in der heutigen Zeit, wo Studierende nicht mehr zwangsläufig einer Altersschicht angehören, sondern auch immer wieder ältere Studierende das Bild etwas durchmischen und mit ihren abweichenden Erfahrungen, den Horizont zusätzlich erweitern können.

Kommilitonen in der heutigen Zeit

Kommilitonen heute

Heutzutage ist mit Kommilitonen die Verbindung zwischen den verschiedenen Studenten gemeint, die durch gemeinsame Studienerfahrung geprägt ist.
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Genau genommen geht es bei dem Begriff Kommilitonen ursprünglich also um eine Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls der Studierenden untereinander. Eine Verbindung entsteht zwischen den verschiedenen Studenten durch die gemeinsame Studienerfahrung, die hierbei gar nicht unbedingt voraussetzt, dass man zusammen Zeit in der Universität bei gemeinsamen Veranstaltungen verbringt.

Bei den Burschenschaftlern handelte es sich so ebenfalls um Studierende aller Studiendisziplinen, die zu einem identischen Zeitpunkt Student einer Universität waren. Mit dem Erfüllen dieser zwei Kriterien – eingeschriebener Student an der hiesigen Universität sowie Angehöriger der gleichen Burschenschaft – gelangten sie zu dem Titel der Kommilitonen.

Aber wie sieht das beim heutigen Verständnis aus?

Der Begriff des Kommilitonen wird schließlich nicht mehr exklusiv von Burschenschaftlern verwendet sondern ist ein geläufiger Begriff unter Studierenden. Wie wird er also im Alltag dieser Studierenden verwendet? Natürlich gibt es noch immer die Menschen, denen man am ersten Tag an der Universität begegnet, die ähnlich aufgeregt und durcheinander durch die schier unendlichen Flure eilen und dort irgendwelche Räume suchen.

Man begegnet ihnen dann wieder, wenn man entweder vor ihnen oder mit ihnen gemeinsam den einen Raum gefunden hat. Oder man lernt sich vorab in der Einführungswoche kennen und weiß dann, dass man mit diesen Menschen in den nächsten Jahren zwangsweise viel Zeit verbringen wird.

Viele Studierende sprechen ausschließlich von diesen Menschen als ihren Kommilitonen. Also Studenten, die an der gleichen Universität mindestens ein Fach, wenn nicht die identische Fächerkombination gemeinsam mit ihnen studieren. Durch die Einführung der Bachelor- und Masterabschlüsse finden die Berührungspunkte in den meisten Veranstaltungen auch nur noch zwischen Studierenden statt, die zeitgleich mit ihrem Studium angefangen haben.

Während man sich so früher relativ frei verschiedene Veranstaltungen aussuchen konnte und hierbei auch Studierende höherer Semester auf die Studierenden mit weniger Semestern gestoßen sind, ist dies durch den weitestgehend von anderen Stellen regulierten Studienverlauf mit seinen zu relativ fixen Terminen im Studienverlauf zu wählenden Veranstaltungen deutlich festgelegter. Durch die jeweiligen Studienordnungen sowie den Umstand, dass viele Pflichtveranstaltungen auch nur im Sommer- oder Wintersemester von der Universität angeboten werden, ist das gesamte Studium heute definitiv weniger frei wählbar für die Studierenden. Auf diese Weise sind die unmittelbaren Kommilitonen in der Tat die Menschen, die zeitgleich genau das Studium mit dem Sprechenden beginnen.

Ein Kommilitone kann nach dem heutigen Verständnis jeder andere Student sein und ist hierbei dem Wortsinn nach nicht einmal mehr auf eine gemeinsame Universität beschränkt. Das verbindende Element zwischen den Studierenden ist auf diese Weise nicht mehr eine Burschenschaft, eine Fachrichtung oder auch eine gemeinsame Universität, sondern alleine der Status des Studierenden.

Im Alltag bezeichnet man als Student jedoch nach wie vor eher die Studenten der eigenen Universität als Kommilitonen. Dies mag auch daran liegen, dass man selten in die Verlegenheit kommt, einen Studierenden einer anderen Universität als etwas zu bezeichnen. Kennt man diese, gibt es für diese Bekanntschaft in der Regel einen anderen Kontext als den des Studierens aus dem man diese Person kennt und welcher dann auch die Betitelung der Person definiert.

Andreas lernt Thomas zum Beispiel in der Bibliothek kennen, weil sie dort in den Semesterferien immer beide zu den gleichen Zeiten an sich gegenüberliegenden Tischen an ihren Arbeiten schreiben, können die beiden sich durchaus als Kommilitonen bezeichnen. Ungeachtet dessen kann Andreas jedoch Germanistik studieren und Thomas beispielsweise Informatik. Das verbindende Element zwischen den beiden jungen Männern ist der Umstand, dass sie beide an der gleichen Universität studieren und jeder der jungen Männer offenbar gerne in der Bibliothek arbeiten.

Wäre Thomas jedoch Student einer anderen Universität und würde nur in dieser Universitätsbibliothek sitzen, weil er in den Semesterferien seine Eltern besucht, könnte ihn Andreas trotz dessen noch als Kommilitonen bezeichnen. Die Wahrscheinlichkeit für das Eintreffen dieser Umstände in der Realität ist aber natürlich geringer als eben der Umstand, dass man in der Bibliothek auch einen Studierenden der eigenen Universität kennenlernt.

Nehmen wir nun an, Andreas und Thomas studieren an verschiedenen Universitäten. In ihren Semesterferien sitzen sie dann möglicherweise nicht in der Bibliothek, sondern verbringen die freie Zeit mit ihrem Hobby. Beide jungen Männer klettern gerne. Hierbei lernen sie sich kennen und freunden sich an.

Wenn nun Thomas Andreas im Semester für ein Wochenende in dessen Studienstadt besuchen fährt, wird ihn Andreas seinen dortigen Freunden sicher nicht als Kommilitonen vorstellen, sondern eben als seinen Bekannten oder Freund Thomas, den er beim Klettern kennen gelernt hat. Von dem Wortverständnis an sich wäre die Bezeichnung trotz dessen korrekt. Denn beide Männer studieren zur selben Zeit und sind in diesem weit gefassten Sinne durchaus Studienkollegen.

Der Kommilitone – Mehr als nur ein Zweckbündnis

Kommilitone als Zweckbündnis

Kommilitone zu sein ist fester Bestandteil des Ziels, den gemeinsamen Abschluss zu machen und damit auch den universitären Rahmen zu verlassen und auch die gemeinsame Zeit zu beenden.
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Natürlich sind die unmittelbaren Kommilitonen zunächst einmal Menschen, die ein gemeinsames Ziel haben: Jeder will seinen Abschluss möglichst gut machen. In gewisser Weise ist damit impliziert, dass der direkte Kontakt zueinander endlich ist. Schließlich ist es in den meisten Fällen fester Bestandteil des Ziels, den gemeinsamen universitären Rahmen zu verlassen und damit auch die gemeinsame Zeit zu beenden.

Auf dieses Ziel können die unmittelbaren Kommilitonen gemeinsam hinarbeiten, sich fachlich durch Korrekturarbeiten oder auch Lerngruppen für Klausuren unterstützen und sich in Phasen des Zweifelns an der Studienwahl Mut zusprechen.

Neben diesen doch eher universitären Aktivitäten findet man in den Kommilitonen aber oft auch Menschen, die einen ganz entscheidenden Abschnitt im Leben aus nächster Nähe mitbegleiten. Diese Bindung kann im besten Falle zu einer lebenslangen Verbindung werden und damit von einer Art Zweckbündnis zu einer tiefen menschlichen Verbindung werden. In der Zeit des Studiums macht jeder Studierende schließlich viele Erfahrungen zum ersten Mal.

Neue Wohnsituation

Möglicherweise wohnt der Studierende das erste Mal in einer eigenen Wohnung oder in einer Wohngemeinschaft. Hier müssen neue Regeln gelernt und miteinander ausgehandelt werden, als man sie aus der Zeit des Zusammenlebens im elterlichen Haushalt kennengelernt hat. Mit Kommilitonen kann man sich austauschen. Im Konflikt mit Mitbewohnern und Kommilitonen viel über Toleranz und einen guten Umgang miteinander lernen. Der Mehrwert ist hierbei unabhängig davon, ob man vom abschreckenden oder positiven Beispiel des Kommilitonen lernt.

Auch die finanzielle Verantwortung verändert sich bei vielen Menschen in der Zeit ihres Studiums. Möglicherweise ist ein Job neben dem Studium notwendig – entweder um direkt die Lebenskosten zu decken oder auch um sich Wünsche wie Reisen ermöglichen zu können. Vielleicht lernt man während seines Studiums jemanden kennen, der bereits einen Job hat, während man selber noch auf der Suche ist.

Von ihm bekommt man vielleicht Tipps für die Bewegung sowie Unterstützung bei der Einarbeitung. Auch bei Unzufriedenheit mit der Jobsituation, sei es wegen der schlechten Bezahlung, den ungünstigen Arbeitszeiten oder unfairer Arbeitsaufteilung, kann man sich mit den Kommilitonen gut austauschen. Schließlich sind die meisten in einer ähnlichen Situation und haben deutlich mehr Verständnis für den Unmut als möglicherweise die Eltern, deren Lebenssituation in der Regel doch deutlich anders ist. Mit den Kommilitonen betritt man viele Spielwiesen des Lebens gemeinsam zum ersten Mal und kann sich dabei mit einem Erfahrungsaustausch unterstützen.

Für viele fällt auch der erste längere Auslandsaufenthalt in die Zeit ihres Studiums und auch hier sind diejenigen, die diese Erfahrung direkt begleiten die Kommilitonen. Mit ihnen spricht man über die Besonderheiten der anderen Kultur, sprachliche und kulturelle Schwierigkeiten, Probleme beim Anrechnenlassen von an der auswärtigen Universität erbrachten Leistungen sowie möglicherweise das Problem einer Fernbeziehung.

Ganz unerwartete Schwierigkeiten mit dem Prüfungsamt – welcher Studierende kennt das nicht? Und mit wem könnte man sich hier besser aufregen als mit den Kommilitonen? Mit wem könnte man besser das Ende eines weiteren Semesters ausgiebig feiern als mit denen, welche die Höhen und Tiefen mit einem durchgestanden haben? Wer verstünde den Liebeskummer besser als die Menschen, die einen fast jeden Tag sehen? Und wer hilft einem schließlich dabei, all die Kartons und Regalteile wieder Treppen runter- und rauf zu tragen als die Kommilitonen.

Natürlich begleiten einen nicht alle Kommilitonen ab der gemeinsamen Zeit an der Universität ein Leben lang. Wenn man ein wenig Glück hat, gibt es aber immerhin ein paar Kommilitonen mit denen man auch hinterher noch herzhaft lachen und das Leben besprechen kann. Und sich bei einem Glas Wein oder Bier Jahre bis Jahrzehnte später, über all die Irrungen und Wirren des früheren studentischen Daseins von Herzen amüsieren kann.

Beispiel für Kommilitonen

Kommilitone Beispiel

Was macht einen Kommilitonen aus? Wir klären anhand eines Beispiels.
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Nehmen wir zum besseren Verständnis das Beispiel von der Studentin Sarah. Sarah ist für ihr Studium Deutsch und Mathe für das Lehramt Gymnasium aus einem kleinen Ort in Hessen nach München gezogen. Sarah zieht dort zunächst in eine Wohngemeinschaft mit einer anderen Studentin namens Ilka, die bereits seit drei Jahren in München lebt und auf einer Onlineplattform eine neue Mitbewohnerin gesucht hat. Ilka studiert Biologie an der gleichen Universität in München wie Sarah.

Sarah lernt bereits in der Einführungswoche ihres Studienganges Nadine kennen. Nadine kommt aus einem kleinen Ort in der Nähe von München. Nadine studiert ebenfalls Deutsch und Mathe für das Lehramt Gymnasium. Sie ist mit ihrer besten Freundin Corinna zusammen nach München gezogen. Corinna studiert ebenfalls an der Universität in München. Sie studiert jedoch Informatik. Um ihren Bafög-Satz ein wenig aufzubessern, beginnt Sarah nach wenigen Wochen in München in einem Café in der Nähe der Universität zu arbeiten.

Dort freundet sie sich mit ihrer Arbeitskollegin Melanie an. Melanie studiert ebenfalls Deutsch und Mathe für das Lehramt Gymnasium an der Universität von Sarah. Melanie studiert jedoch bereits im fünften Semester und aus dem Grund haben sie keine Veranstaltungen miteinander und sind sich in der Universität noch nicht begegnet. Die jungen Frauen lernen sich mit der Zeit bei verschiedenen Anlässen kennen, gehen manches Mal gemeinsam in die Mensa der Universität – im weiteren Sinne sind sie alle Kommilitoninnen voneinander, obwohl die einzigen, die sich ausschließlich aus dem universitären Kontext kennen, Sarah und Nadine sind.

Sarah, Nadine und Melanie sind aufgrund der gleichen Fächerkombination unmittelbare Kommilitoninnen voneinander. Sarah, Ilka und Corinna sind hingegen mittelbare Kommilitoninnen, wenn man auf dieser Stufe noch differenzieren möchte, da sie ausschließlich zeitgleich an ein und derselben Universität studieren.

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